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aljas.com › Film › Alexandre Jasionowski

Der Flieger

D 2003, 12:28 Min.
Digital 8 in 2,35:1
Farbe, Stereo

Beitrag zeigen Synopsis & Festivals

Ein von einem auf Inspiration wartenden Schriftsteller achtlos weggeworfenes Blatt Papier erwacht zum Leben und macht sich auf, ein Flieger zu werden. Doch der Weg dorthin erweist sich als beschwerlich und voller Tücke. Schließlich verliert das Blatt den Kampf gegen die brutale Umwelt – und doch wieder nicht.

»Der Flieger« ist ein 13minütiger Kurzfilm von Christoph Mett und mir aus dem Jahr 2003. Er ist am Fachbereich Design der FH Münster als Semesterprojekt zum Thema »Papier« entstanden.

Der Film konnte bei mehreren Filmfestivals erfolgreich lanciert werden. So wurde er beim 17. Internationalen Filmfest Braunschweig, beim Zwergwerk, den Oldenburger Kurzfilmtagen, bei der WAM Filmnacht 2003 in Dortmund sowie beim shortmoves Festival 2003 in Halle aufgeführt.

Beitrag zeigen Produktionsnotizen

Der Film ist im Zeitraum März bis Juli 2003 entstanden. Am Beginn stand die Idee, einen abstrakten Stop-Motion-Film zum Thema ‘Papier’ zu machen. Schon nach kurzer Zeit verlagerte sich jedoch der Schwerpunkt auf die zu erzählende Geschichte, welcher die Animation nur als Mittel zum Zweck dienen sollte. Nichtsdestotrotz beanspruchte die Arbeit an den Stop-Motion-Sequenzen schließlich drei Monate intensiver Nachtarbeit, da wir 25 Bilder pro Sekunde brauchten, um flüssige Bewegungsabläufe zu erreichen.

So sind insgesamt um die 6000 Einzelbilder entstanden, die selbstverständlich nicht alle im Endergebnis ihren Platz gefunden haben. Allein die geplante Anfangssequenz bestand aus über 1500 einzelnen Bildern, die aber letztlich nicht die gewünschte Wirkung erreichten und somit den ruhigen Standbildern weichen mussten, die nun in der Endversion zu sehen sind.

Die Echtzeit-Szenen waren hingegen binnen weniger Drehtage im Kasten. Als Darsteller stellte sich freundlicherweise Werner Brüggemann zur Verfügung, der zu dieser Zeit als Gastschauspieler an den Städtischen Bühnen in Münster tätig war. Der erfahrene und selbst an der Niederdeutschen Bühne Regie führende Theaterschauspieler war sich zu unserer Erleichterung nicht zu schade, sich von uns Anweisungen geben zu lassen und sich ganz unserer Geschichte zu verschreiben. Die restlichen Figuren (der autofahrende Raucher und der Müllmann) wurden von Christoph höchstpersönlich übernommen, da sie von vornherein lediglich als anonyme Charaktere angelegt waren und somit keine außergewöhnliche darstellerische Leistung vonnöten war.

Eine große Herausforderung war das Angleichen des Bildmaterials (Digitalfotografien & Digital 8-Video), um die Qualitätsunterschiede, bedingt durch unterschiedliche Auflösungen und Optiken, weitmöglichst auszugleichen. Zudem waren teils umfangreiche Bildretuschen notwendig, da am Drehort nicht immer alle Eventualitäten bedacht werden konnten. So gab es Situationen, in denen die Bewegung des Blattes sehr bodennah erfasst werden musste und dabei passierte es bisweilen, das die metallenen Gegengewichte das Scheinwerferlicht reflektierten.

Der Film ist zudem komplett nachsynchronisiert, da die Originaltöne der Echtzeitaufnahmen nicht zu gebrauchen waren und in die Stop-Motion-Sequenzen naturgemäß erst Geräusche eingefügt werden mussten. Die Nachvertonung gestaltete sich ziemlich aufwendig, da jeder einzelne Anschlag auf der Schreibmaschine exakt zur richtigen Zeit anklingen musste, um eine authentische Wirkung zu erzielen.

Musikalisch erwies sich das allererste Loslaufen des papierenen Protagonisten als die schwierigste Sequenz. Einerseits sollte hier der Aufbruch in neue Welten auf pfiffige Weise untermalt und begleitet werden, andererseits sollte die Szene nicht ins Klamaukige abgleiten. Nach zig Ansätzen und Versionen reduzierten wir die Instrumente auf das allgegenwärtige Piano, ergänzt durch auflockernde Percussion-Elemente.

Die Arbeit an diesem Kurzfilm hat uns im übrigen aufgezeigt, wie unterschiedlich Menschen auf ihnen ungewohnte Situationen reagieren. So schickte uns ein erboster Nachbar, der sich von der Fahrt eines Autos um elf Uhr abends brutalst in seiner Privatsphäre gestört fühlte, direkt die Polizei auf den Hals (welche zum Glück sehr entspannt reagierte). Andere hingegen ließen sich auf das Abenteuer ein, wildfremde Menschen um elf Uhr nachts in ihr Haus zu lassen, damit diese nacheinander fünfzig exakt gleich angerissene Blätter aus ihrem Küchenfenster werfen konnten. Wiederum andere fühlten sich von leisen Geräuschen bei der Arbeit an den Stop-Motion-Sequenzen derart belästigt, dass sie uns direkt nahelegten, abends nicht am Drehort, einem schön alten Dachboden, weiterzuarbeiten. Was uns natürlich nicht davon abhielt.

Zuguterletzt begegneten wir einer alternativen Wohngemeinschaft, die uns Strom und Wasser unentgeltlich zur Verfügung stellte und uns bis vier Uhr abends vor ihrem Haus mit Scheinwerfer und Kameras schalten und walten ließ.

Natürlich konnte sich auch dort eine verwirrte Person nicht entblöden, uns mit der Polizei zu drohen, wenn wir nicht verschwänden. Auch das hielt uns natürlich nicht ab – so entstand die schöne nächtliche Straßensequenz, für die Christoph noch mitten in der Nacht in den Kanal gestiegen ist, damit die Pfütze auch schön mit Wasser gefüllt werden konnte. Am nächsten Tag entdeckte ich den in der Nähe plazierten Papiercontainer für mich und erforschte ihn ganz genau – unter anderem in ihm sitzend.

Beitrag zeigen Bilder (Stills & Making of)

Stills:

Making Of:

Beitrag zeigen Die Musik

Die Musik war beim "Flieger" ein sehr wichtiger Bestandteil, da der Film ohne Dialog und im Falle des papierenen Hauptdarstellers sogar ohne Gesicht auskommen und beim Zuschauer trotzdem Interesse am Verlauf der Handlung wecken sollte. Wir standen also vor der Aufgabe, die Geschichte unter anderem durch den gezielten Einsatz von Musik zu emotionalisieren.

Möglicherweise sind wir an einigen Stellen über das Ziel hinausgeschossen und ins Sentimentale abgedriftet, haben aber im Grunde doch das erreicht, was wir wollten: Dass der Zuschauer mit einem alltäglichen Gebrauchsgegenstand (dem er normalerweise keine Beachtung schenkt, obwohl er ihm ziemlich viel verdankt) mitfiebert und sogar so starke Emotionen wie Trauer und Erleichterung empfindet, wenn das Papier in entsprechende Situationen gerät.

Die Musik aus dem Film gibt es unter tunes.aljas.com kostenlos herunterzuladen.

Beitrag zeigen DVD

»Der Flieger« ist in guter Bild- und Tonqualität als Bonus auf der DVD enthalten, die wir von unserem neueren Kurzfilm »Forsterwachen« haben pressen lassen. Die DVD gibt es über forsterwachen.de zu bestellen.